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Anerkannt nicht anerkannt
CS
Hussein Sawaid, sein Vater Ali und sein Sohn Dakir Beduinen vom Clan der Sawaid sind drei Generationen, die in Husseine in der Nähe von Karmiel in Galiläa leben. Husseine ist bis 1994 ein nicht anerkanntes Dorf gewesen. Im Jahr der Anerkennung wurde den Bewohnern versprochen, dass es einen regionalen Entwicklungsplan für sie geben wird und alle Serviceleistungen dann erhältlich sein werden.
Diesen Plan gibt es bis heute nicht. Aus diesem Grund können auch bis heute keine Häuser mit Genehmigung gebaut werden. Somit sind die Leute von Husseine mehr oder weniger gezwungen, Häuser ohne Genehmigung zu bauen. Hussein, Vater Ali und Sohn Dakir sind drei Generationen, die Häuser ohne Genehmigung gebaut haben. Folgerichtig drei Generationen, die Briefe von den zuständigen Behörden erhalten haben, die ankündigen, dass ihre Häuser zerstört werden oder sie eine Strafe bezahlen sollen.
Hussein erinnert sich, dass er 1962 morgens in der Schule war. Er war in der 7. Klasse und saß gerade in der Mathematikstunde. Plötzlich hörte er eine Detonation und dachte, dass es sich wohl um eines dieser Überschallflugzeuge handeln müsse. Das passierte halt, das hatte er schon oft gehört. Aber er hatte ein komisches Gefühl. Und als er von der Schule in Nachaf nach Hause ging, hätte er normaler Weise schon von einer bestimmten Anhöhe aus das Haus seiner Familie sehen können. An jenem Tag konnte er jedoch kein Haus erblicken und dachte, dass die Bäume vielleicht so sehr gewachsen waren. Er hatte keine Verbindung zwischen dem dröhnenden Bum vom Morgen und dem Haus seines Vaters hergestellt.
Als er dann endlich ankam, sah er seine Familie draußen unter Bäumen sitzen. Das Haus der Familie war vom israelischen Militär zerstört worden. Seine Familie habe dann einige Jahre in Zelten neben den Trümmern des alten Hauses gelebt. Dann haben sie sich eine Blechhütte gebaut. Aber auch in dieser Blechhütte sind sie angegriffen worden, weil die Armee das Gebiet zu einem Militärgebiet erklärt hatte. Die Einschusslöcher sind im Blech heute noch sichtbar.
Irgendwann 1956 oder 1958, genau kann er sich nicht erinnern, registrierte die israelische Landbehörde alles Land in der Region. Sein Vater konnte weder lesen noch schreiben und er besaß auch keinen Tabu einen osmanischen Bescheid über den Besitzstand seines Grundstücks. Später im Gericht habe Ali auch nicht richtig verstanden, worum es eigentlich ging so sein Sohn Hussein.
Neben dem Grundstück, auf dem Hussein heute lebt, ist das angrenzende Land konfisziert worden. Er kann sich erinnern, dass sein Vater dieses Land noch landwirtschaftlich genutzt hatte. Heute sind dort die typischen Kiefernbäume des zionistischen Aufbaufonds (KKL) gepflanzt. Auch das Weiden von Tieren ist nicht erlaubt. Jede Woche kommt ein Inspektor von der regionalen Planungskommission, der überwacht, dass Hussein das Land nicht nutzt. Mit diesem Inspektor hat sich Hussein angefreundet und er lädt ihn oft zum Kaffee ein. Unweit expandiert die benachbarte Stadt Karmiel weiter und eines Tages wird Husseins Haus wahrscheinlich endgültig weichen müssen.
Khaled Khalil von der Vereinigung der 40 in Haifa, eine NGO, die sich der Probleme der Bewohner in nicht anerkannten und vernachlässigten Dörfern angenommen hat, beschreibt die Situation so. Bis Ende der 1980er Jahre gab es kein Problem der sogenannten nicht anerkannten Dörfer. Erst kommunale Anstrengungen und die Solidarität verschiedener Aktivisten habe dazu geführt, das Problem beim Namen zu nennen und für seine Lösung einen Handlungsrahmen zu schaffen.
Es gibt heute um die 40 Dörfer in Israel, die nicht offiziell anerkannt sind. Das schlägt sich derart nieder, dass es keine Wasser-, Telephon- oder Stromleitungen gibt, dass die Straßen nicht geteert sind, es keine Schule, keinen Kindergarten oder irgendwelche anderen staatlichen Einrichtungen gibt. Alle Serviceleistungen, die es gibt, sind das Ergebnis kommunaler oder privater Initiative ohne staatliche Beteiligung und oft ohne Genehmigung. Die Bewohner dieser Dörfer sind Staastbürger, sie wählen und können gewählt werden und sie bezahlen Steuern. Ihr zuhause existiert jedoch offiziell nicht und für ihre Bemühungen, ein normales Leben zu führen, werden ihnen immer wieder Geldstrafen auferlegt oder ihr Eigentum wird zerstört.
Viele dieser Dörfer existierten vor der Gründung des Staates Israel 1948. Andere sind infolge von Vertreibung oder durch staatliche Umsiedlung entstanden. Nach der Verabschiedung des Bau- und Planungsgesetzes von 1965 wurde diese ungerechte Situation mit einer legalisierenden Struktur versehen, die bis heute das Leben der Bewohner dieser Dörfer bestimmt. Um gegen diese Lage zu protestieren, veranstalten sie immer wieder Demonstrationen oder sie reihen sich in den alljährlichen Protestmarsch zum Land-Tag im März ein.
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