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Die Weimarer Republik und Britisch-Palästina

Carl Sunbourg

Die Beziehungen zwischen der Weimarer Republik und Palästina zur Zeit der ersten Hälfte des britischen Mandats, ist im Allgemeinen wenig beachtet. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. Nazi-Deutschland und der Holocaust sind heute die eigentlichen Eckpfeiler und bestimmenden Faktoren für eine Betrachtung deutsch-jüdischer Beziehungen im allgemeinenen. Entwicklungen, die zeitlich vor oder nach den Jahren 1933 bis 1945 liegen, können sich davon nicht befreien.

Bei der Betrachtung der Beziehungen zwischen Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik und Palästina ergeben sich jedoch einige interessante Details – im Wesentlichen in politischer und kulturpolitischer und in geringerem Maße in wirtschaftlicher Hinsicht.

Die letzten Reaktionen des kaiserlichen Deutschlands in der ‘Palästina Frage’ waren:

• die Sympathieerklärung hinsichtlich zionistischer Siedlungsbestrebungen in Palästina,

• die Bildung des eigenständigen ‘Referats für jüdisch-politische Angelegenheiten’ im Auswärtigen Amt und

• die Gründung des Deutschen Comités Pro Palästina.

Die letzten kaiserlichen deutschen Vertreter in Palästina hatten das Land kurz vor der britischen Eroberung verlassen. Der Handlungsrahmen deutscher Politik war eng gesteckt. Der neue deutsche Vertreter, Vizekonsul Kapp, erschien 1918 bereits wieder, er war jedoch dem spanischen Generalkonsul unterstellt.

Auch Kapps Nachfolger Nord trat leise, um die wichtigen und sensiblen Beziehungen zu Großbritannien nicht zu gefährden. Dr. Erich Nord, ein in Berlin studierter Jurist mit orientalistischer Spezialisierung, konnte erst 1926 als deutscher Generalkonsul wieder in eine eigenständige deutsche Vertretung in Jerusalem einziehen. Ihm ging es um:

• die Sicherung deutscher Wirtschaftsinteressen,

• im sich herauskristallisierenden arabisch-jüdischen Konflikt Neutralität zu wahren,

• das zionistische Siedlungswerk wohlwollend zu begleiten und

• die seit dem 19. Jahrhundert in Palästina ansässigen Deutschen – in der Regel Mitglieder der protestantisch missionarischen Templerbewegung – zu betreuen.

Der erste Punkt war noch einfach zu bewerkstelligen. Deutschland war nach Großbritannien, Ägypten und den USA der viertwichtigste Handelspartner des britischen Mandats. Von 1923 bis 1926 stieg die deutsche Ausfuhr von 5,4 Millionen Reichsmark auf 14,1 Millionen, und die Hamburger Deutsche Levante-Linie war die größte der rund 30 Schifffahrtslinien, die Palästina anliefen.

Neutralität im zunehmend gewalttätiger werdenden Konflikt zwischen Arabern und Juden zu wahren und das zionistische Aufbauprojekt zu fördern, kam der Quadratur des Kreises gleich.

Und die Zeit der deutschen Templer began bereits in den 20er Jahren abzulaufen. Nach dem Ersten Weltkrieg begann sich die Gemeinde nur langsam wirtschaftlich zu erholen. Als sie 1928 an dem Punkt angelangt war zu expandieren, verhinderte dies die neu entstandene Realität. Die zionistische Bewegung hatte Landerwerb zu ihrer zentralen Aufgabe gemacht. Damit kam es nicht nur zur Verschärfung des Konflikts über die Verteilung von Ressourcen zwischen den Einwohnern des Landes, sondern im speziellen zum Anstieg der Grundstückspreise, was den Templern jegliches Expandieren unmöglich machte.

Das ‘Referat für jüdisch-politische Angelegenheiten’ hat eine interessante Geschichte für sich selbst. Seine Konzeptoren, Adolf Friedemann, Franz Oppenheimer und Moritz Sobernheim, schrieben dem Referat drei wesentliche Ziele zu:

• Informationen über politisch wichtige Vorgänge und kulturelle, religiöse und soziale Strömungen des Judentums zu liefern,

• eine enge und konstante Zusammenarbeit mit den Referenten des Auswärtigen Amtes, in deren Zuständigkeiten jüdische Belange fielen, zu koordinieren und

• für die Sympathien anderer Länder und die der weltweit verstreuten jüdischen Gemeinden zu werben.

Das Referat hatte bereits 1924 seine eigene Palästinapolitik ausgearbeitet. Die Verzögerung gegenüber 1918 hatte vor allem damit zu tun, dass Deutschland einige Gebiete im heutigen Polen hatte abgeben müssen, in denen es einen großen jüdischen Bevölkerungsanteil gab. Diese Ereignisse hatten das Referat vor allem beschäftigt, ebenso Bestrebungen, einen deutschen Juden in eine prominente diplomatische Position zu bringen – was scheiterte. Dennoch war Sobernheim als Leiter des Referats 1925 nach Palästina gereist und wohnte der Grundsteinlegung der Hebräischen Universität bei.

Er bereiste das Land und lieferte als erster deutscher Beamter die ausführlichere Eindrücke aus Palästina. Da er sich während seiner Reise vor allem in deutsch-jüdischen Kreisen bewegte, sind diese Berichte jedoch spezifisch gefärbt und sein Araberbild war kein vorteilhaftes. Das Referat selbst war ein begrenzter administrativer Erfolg der deutsch-jüdischen politischen Elite, viel ausrichten konnte es nicht. Sobernheim starb 1932 und das Referat wurde von den Nazis 1933 sofort geschlossen.

Graf von Bernstorff, der Vorsitzende des Deutschen Komittees Pro Palästina, wie es nach seiner Neugründung 1926 hieß, verstand die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas als ein wirtschaftliches und politisches Interesse. Sozialdemokraten, Zionisten und die Zentristen stimmten ihm zu. Mitglieder des Kommittes waren sowohl Nord, als auch die deutschen Vertreter im Komittee für Palästina des Völkerbunds Ludwig Kastl und Julius Ruppel.